Wellness für dein Bike: Wartungsarbeiten im Winter

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Bei vielen Radsportlern steht das Bike im Winter für längere Zeit im Keller – entweder, weil du in dieser Zeit ebenfalls die Füße hochlegst und erst im Frühjahr wieder ins Geschehen einsteigst, oder weil du in dieser Zeit vom Wetter unabhängig sein willst und deine Trainingseinheiten lieber auf dem Spinningrad im Fitnessstudio absolvierst. Also die ideale Zeit, um dein Fahrrad einem gründlichen Check zu unterziehen und notwendige Wartungsarbeiten in Ruhe durchzuführen. Andrea Potratz, die jahrelange Erfahrung bei der Reparatur und Wartung hochwertiger Bikes gesammelt hat, erklärt, welche Wartungs- und Reparaturarbeiten in dieser Zeit sinnvoll sind.

Zunächst reinigst du dein Bike gründlich und dann folgt die Wartung:

Gabel und Dämpfer

Eine Federgabel dankt regelmäßige Wartung mit zuverlässiger Performance und einem langen Leben. Denn im Laufe einer Saison sammelt sich an Staubabstreifer und Dichtungen eine Menge Schmutz an, der zum Teil auch in die Gabel eindringt. Dadurch wird sie mit der Zeit unsensibler, die Dichtungen nutzen sich schneller ab und sie kann dann auch leichter kaputt gehen. Allermindestens 1x pro Jahr sollte daher das Öl in der Gabel gewechselt werden, ebenso wie der Staubabstreifer. Besser noch etwas öfter. Überprüfe außerdem die Dichtungen und tausche diese aus, falls sie Schäden davongetragen haben oder brüchig geworden sind.

Falls du ein Fully fährst, benötigt der Hinterrad-Dämpfer dieselben Wartungsarbeiten.

Lager

An einem Mountainbike sind diverse Lager verbaut, so zum Beispiel das Steuerlager, das Innenlager (auch Tretlager genannt), die Lager der Laufräder oder auch die Gelenke beim Fully. All diese Lager werden durch langen Gebrauch rauer oder bekommen mit der Zeit etwas Spiel. Werden diese Abnutzungserscheinungen zu stark, sollte das Lager ausgetauscht werden. Ansonsten genügt eine Überprüfung mit Säuberung und Nachfetten. Achtung: nicht jedes Fett ist für Carbonrahmen geeignet. Manche Fette bringen Carbon zum Aufquellen bzw. Delaminieren und beschädigen so den Lagersitz. Achte daher darauf, ob der Hersteller das Fett für Carbonrahmen freigegeben hat. Auch Montagepaste ist beim Einpressen der Lager nicht geeignet.

Bei der Lagerwartung sind sowohl Fachwissen als auch zum Teil Spezialwerkzeug (z.B. ein Austreiber, Gewindespindel) notwendig.

Ein Lagerwechsel am Hinterbau ist nicht ganz einfach. Er erfordert Zeit und Geschick. Wer sich mit dem Lagereinpressen nicht ganz sicher ist, ist mit dem Gang zum Fachhändler oft besser beraten. Die Profis in der Bikewerkstatt haben Erfahrung, das richtige Werkzeug und meistens auch die Ersatzteile auf Lager. In der Regel kostet der Service zwischen 100 und 200 Euro.

Antrieb: Ritzelpaket, Freilauf und Kette

Im Antrieb knirscht es und auf der Kette klebt der halbe Trail. Höchste Zeit, auch Kette, Ritzelpaket und Freilauf einer gründlichen Wartung zu unterziehen! Denn eine saubere Schaltung schont Nerven und Geldbeutel.

Der Antrieb eines Fahrrads ist ein empfindliches System: Kette, Ritzel, Kettenblätter und Schaltungsröllchen müssen perfekt zusammenarbeiten. Die richtige Einstellung steht dabei natürlich im Vordergrund – aber nur saubere Schaltkomponenten bewegen sich optimal. Für die Reinigung nimmst du z.B. den Fahrradreiniger von Dynamic, der Schmiermittelreste von Kette und Ritzel löst. Der Reiniger wird aufgesprüht und löst eingetrocknetes Fett und Öl samt Schmutz, so dass diese leichter entfernt werden können. Wichtig, er soll nicht die Grundfettung der Kette lösen, da diese sonst schnell austrocknet. Als Putzwerkzeuge eignen sich eine Bürste (je nach Verschmutzungsgrad), Lappen bzw. Lappenstreifen und abschließend ein Schwamm.

Zunächst wird die Kette gereinigt. Dazu den Reiniger aufsprühen und einwirken lassen. Danach ziehst du die Kette durch Drehen der Kurbel im Leerlauf zwischen einer Bürste und einem Lappen durch. Letzte Schmutzreste werden mit dem Lappen entfernt.  Nun wird die Kette neu geölt, aber sparsam! Tröpfle das Öl nur auf die einzelnen Kettenglieder, nicht auf die Kettenseiten. Überschüssiges Öl wird mit dem Lappen abgezogen. Zu viel Öl zieht Sand und Dreck magisch an und dieser wirkt auf den Antrieb wie Schmirgelpapier. Daher nach dem Ölen gründlich abwischen!

Nun ist die Säuberung der Kassette (Ritzelpaket) an der Reihe. Mit einer Bürste wird zunächst der grobe Dreck entfernt. Dann folgt die Feinsäuberung. Auch hier hilft es immens, zunächst Reiniger aufzusprühen und einwirken zu lassen. Mit den Lappenstreifen werden, ähnlich wie Zahnseide, die Zwischenräume zwischen den Ritzeln gereinigt.

Ist das Ritzelpaket sauber, wird es anhand einer Kettenpeitsche und einem Kassettenabzieher abmontiert. Dadurch legst du den Freilauf frei. Der Freilauf wird nun ebenfalls mit einem Lappen gereinigt und geschmiert. Den Freilaufkörper außen gut fetten,– so lässt sich das Ritzelpaket beim nächsten Mal leichter entfernen.

Danach ist das Schaltwerk an der Reihe. Mit zwei Inbusschlüsseln löst du das Schaltwerk vom Schaltauge und schraubst die Schaltröllchen ab. Das Schaltwerk bleibt dabei am Zug hängen – das spart die Neueinstellung. Besonders an den Schaltröllchen klebt Dreck. Dieser kann mit einem kleinen Schraubenzieher oder einem Inbusschlüssel vorsichtig abgeschabt werden. Dann werden Schaltröllchen und Käfig mit Reiniger und Wasser geputzt. Ist das Schaltwerk abgebaut und die Führungsrollen entfernt, lässt sich der Rest (noch am Zug hängend) gut mit einem Lappen säubern.

Abschließend werden noch die Kurbel und die Kettenblätter mit Bürste, Reiniger und Lappen gereinigt. Die letzten Verunreinigungen entfernst du mit warmem Wasser und einem Schwamm, danach wird alles gut abgetrocknet.

Sind alle Teile sauber, kannst du prüfen, ob sie noch funktionsfähig sind. Falls einzelne Teile des Antriebs abgenutzt sind und/oder zu viel Spiel haben, müssen sie ausgetauscht werden. Wenn du alles zusammengebaut und die Schaltung neu eingestellt hast, sollte sie wieder einwandfrei funktionieren.

Schaltzüge und Bowdenzüge

Auch Schaltzüge und Bowdenzüge müssen von Zeit zu Zeit ausgetauscht, dann schaltet es sich in der Regel auch wieder viel besser. Bei außen verlegten Zügen ist das in der Regel kein Problem – bei innen verlegten hingegen braucht es bei manchen Bikes eine gute Planung und etwas Fingerspitzengefühl. Manche Rahmen (z.B. die unseres Partners Müsing) sind mit Führungshülsen ausgestattet, die den Austausch innen verlegter Züge völlig problemlos machen. Leider ist das (noch) nicht bei allen Rahmen der Fall.

Ganz wichtig: bei innen verlegten Zügen musst du den Wechsel planen, BEVOR du die alten Züge herausziehst! Hat der Zug keine Außenhülle und keine Führungshülse, kannst du dir lästiges Gefummel ersparst, indem du z.B. einen Liner (einen dünnen Kunststoffschlauch) durch das Rohr über den alten Zug streifen. Dieser dient später als Führung, wenn der neue Zug eingesetzt wird. Lass den Liner an beiden Enden ein gutes Stück überstehen und fixiere ihn mit Tape am Rahmen, damit er nicht versehentlich im Rohr verschwindet. Nun kannst du den alten Zug aus dem Rahmen/Liner ziehen. Nochmal: gib dabei höllisch Acht, dass der Liner nicht in den Rahmen rutscht! Nun fädelst du den neuen Zug durch den Schalthebel und in der richtigen Reihenfolge durch die Endkappe der Außenhülle, die Außenhülle und anschließend durch den im Rahmen liegenden Liner. Zum Schluss kannst du den Liner nach hinten aus dem Rahmen ziehen. Jetzt noch den neuen Zug zum Schaltwerk oder Umwerfer führen und dort klemmen. Fertig.

Verläuft der Zug innerhalb des Rahmens in einer Außenhülle, die ebenfalls gewechselt werden soll, verbleibt zunächst der alte Zug als Führung im Rahmen, während die Außenhülle herausgezogen wird. Nun wird die neue Außenhülle entlang des alten Zuges eingefädelt und fixiert. Anschließend wird der alte Zug gegen einen neuen ausgetauscht, mit der Außenhülle als Führung.

Ist der Zug doch versehentlich in den Rahmen gerutscht, wird es meist fummelig. Am besten führst du zunächst einen neuen Zug außen am Rahmen von Öffnung zu Öffnung und markierst den Abstand am Zug. So weißt du später, wann der Zug aus dem Rahmen kommen sollte. Mit Hilfe eines starken Magneten kannst du nun versuchen, das Zugende durch die Austrittsöffnung zu bugsieren. Viel Erfolg!

Dir steht der Schweiß auf der Stirn, aber dein Bike ist bestens versorgt und rundum sauber? Herzlichen Glückwunsch – dann wirst du in der nächsten Saison viel Freude an deinem Sportgerät haben!

Falls du dir einzelne Arbeitsschritte nicht selbst zutraust oder nicht über das notwendige Werkzeug verfügst, wendest du dich am besten an eine Fahrradwerkstatt deines Vertrauens. Dort sollten die Mitarbeiter über das notwendige Fachwissen und Material verfügen, um dein Bike optimal zu warten. Falls Lindau für dich in erreichbarer Nähe liegt, laden wir dich und dein Bike herzlich ein, die Dienste des bikeDoc kennen zu lernen. Wir sind spezialisiert auf hochwertige Mountainbikes und Rennräder und warten deinen Gefährten professionell und mit viel Fingerspitzengefühl. Schau doch mal rein: www.der-bikedoc.de