Rennstrategien - was trägt zum Erfolg bei?

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Hast du im Frühjahr und eventuell auch schon in den Wintermonaten gezielt auf deine Rennsaison 2019 hin trainiert? Dann bist du bestens vorbereitet für die Herausforderungen, die dich bei deinen Rennen erwarten. Ob letztendlich der erhoffte Erfolg dabei herausspringt, hängt aber von mehr Faktoren ab als nur von einer guten Vorbereitung. Natürlich sind auch die Tagesform und ein Quentchen Glück ausschlaggebend dafür, welche Platzierung du bei einem Rennen erreichen kannst, aber mit einer guten Rennstrategie kannst du selbst auch noch einiges für deinen Erfolg tun. Als erfahrene Teamchefin des großen Mountainbike-Teams toMotion Racing by black tusk hat Andrea Potratz einige Tipps für dich, wie du den Unwägbarkeiten eines Rennens möglichst gut gewappnet gegenüber trittst.

Material

Erste Voraussetzung für ein erfolgreiches Rennen ist, dass dein Bike gut gewartet und einwandfrei in Schuss ist. So wäre es zum Beispiel extrem ärgerlich, wenn du mitten in einer Abfahrt feststellst, dass deine Bremsbeläge völlig abgefahren sind und deine Bremsen nicht mehr richtig ziehen. Wenn du am Vortag noch einmal überprüfst, ob deine Schaltung einwandfrei funktioniert, die Bremsen in Ordnung sind, die Federgabel und ggf. der Dämpfer ihren Dienst tun und deine Reifen den richtigen Druck haben, dann stimmen die Grundvoraussetzungen für ein erfolgreiches Rennen. Mit neuen, von dir noch nicht ausgiebig getesteten Teilen am Rad solltest du vorsichtig sein. So kann dir zum Beispiel ein ungewohnter Sattel bei einem längeren Rennen massive Probleme bereiten.

 

Je länger ein Rennen ist, desto mehr Ersatzmaterial solltest du dabei haben. Für einen längeren Marathon empfehlen wir:

  • Minitool mit Kettennieter
  • Kettenschloss
  • kleine Pumpe (die ist mehrfach verwendbar, auch wenn deine CO2-Kartusche bereits aufgebraucht ist)
  • CO2-Kartusche
  • Ersatzschlauch
  • Maxalami
  • Ersatz-Schaltauge

Natürlich ist bei Rennen jedes zusätzliche Gramm ein Ärgernis. Noch ärgerlicher ist es aber, wenn du dir nach einem Defekt nicht selbst helfen kannst und dann zu Fuß zur nächsten Verpflegungsstelle wandern musst in der Hoffnung, dass sie dort die passenden Ersatzteile für dich haben.

Bei längeren Rennen und unsicherer Wetterlage solltest du auf jeden Fall eine Regenjacke mitnehmen. Musst du viele Kilometer durchnässt und ggf. auch mit einem hohen Windchill-Faktor durchfahren, kühlst du völlig aus und deine Leistung bricht ein.

Achte darauf, dass du genügend Getränke dabei hast. Bei starker Belastung (kurze, schnelle Rennen) kommt dein Körper am ehesten mit Gels und/oder kohlenhydrathaltigen Getränken zurecht. Bei längeren Rennen solltest du hingegen auch Riegel mitnehmen (und rechtzeitig essen!).

Anreise

Bei der Anreise zum Rennen gilt: Stress vermeiden! Denn unter Stress eine Top-Leistung abzurufen, ist schwierig. Außerdem sind weder deine Muskulatur noch deine Konzentration auf das Rennen eingestellt, wenn du zuvor mehrere Stunden im Auto gesessen hast. Weitere Unwägbarkeiten liegen im Verkehr (Staugefahr, Verfahren) und in der Parkplatzsuche. Schau deshalb, dass du so früh wie möglich anreist, bei frühen Startzeiten oder langer Anfahrt eventuell auch schon am Vortag. Dann hast du auch noch genügend Zeit für eine Streckenbesichtigung und für ein entspanntes Warmfahren vor dem Rennen.

Streckenbesichtigung

Vorherige Streckenbesichtigungen sind bei kurzen Distanzen natürlich einfacher als bei langen. Sie verschaffen dir einen Vorteil, weil du dann weißt, wo du ggf. angreifen und wo du deine Kräfte schonen kannst. Bei längeren Marathons sollte eine Streckenbesichtigung deutlich früher stattfinden, da sonst die Belastung am Vortag des Rennens zu hoch ist. Du könntest z.B. im Vorfeld des Rennens an einem Wochenende eine Trainingseinheit mit der Streckenbesichtigung verbinden und die Strecke einmal abfahren. Bei Cross Country Rennen bietet es sich an, am Vortag eine Runde als Vorbelastung zu fahren.

Frühstück

Der Tag des Rennens beginnt für dich hoffentlich ausgeschlafen und mit einem guten Frühstück. Steh früh genug auf, so dass du mindestens drei Stunden vor dem Start frühstücken kannst und dein Körper genügend Zeit für die Verdauung hat. Sonst kann es sein, dass dir das Frühstück beim Rennen noch unangenehm schwer im Magen liegt und dich ausbremst. Achte darauf, dass du das frühstückst, was du erfahrungsgemäß gut verträgst und was dir eine gute Grundlage bietet für eine Top-Leistung (siehe unseren Beitrag aus dem letzten Newsletter: „Das richtige Wettkampf-Frühstück“.

   

Warmfahren

Wichtig ist eine Vorbelastung am Tag zuvor, damit der Körper zwar gut erholt ins Rennen geht, aber nicht mehr im „Schlafmodus“ ist. Wir empfehlen, bei der Vorbelastung eine Stunde locker zu fahren mit zwei bis drei kurzen Steigerungen.

Am Renntag ist das Warmfahren abhängig vom Fahrer und seinen Bedürfnissen. Als Faustregel empfehlen wir ca. eine halbe Stunde Warmfahren und dabei ruhig mal an die Schwelle oder auch kurz in den roten Bereich zu gehen, damit alle Systeme im Körper hochgefahren werden und leistungsbereit sind. Am besten funktioniert das Warmfahren auf der Rolle, da du dann vor Ort bist und dich nicht in unbekanntem Gelände verfahren kannst. Auch hier lautet das Stichwort „Stressreduktion“.

Startaufstellung und Startphase

Optimal ist es, wenn du einen Begleiter hast, der sich mit deinem Bike als Platzhalter in den Startblock stellt, während du dich auf einem anderen Bike warm fährst. Ist das nicht möglich, musst du bei der Startaufstellung in Abhängigkeit der Streckenlänge und des Streckenverlaufs taktieren. Kommt gleich am Anfang ein Trail, macht es Sinn, wenn du dich früh in den Startblock stellst. So kannst du Zeitverluste durch Staus vermeiden. Bei Rennen, wo kein Stau zu befürchten ist, kannst du mehr Zeit zum Warmfahren investieren.

 

Grundsätzlich gilt: du solltest mehr auf dich schauen als auf andere, d.h. das Rennen nicht zu schnell angehen. Für die Psyche ist es viel besser, im Verlauf des Rennens nach vorne zu fahren und einen Konkurrenten nach dem anderen zu überholen, als nach hinten durchgereicht zu werden. Dazu hast du bei längeren Rennen in der Regel auch genügend Zeit und es gibt immer eine Menge Leute, die am Anfang losstürmen und gegen Ende dann stark nachlassen.

Strategien während des Rennens

Bei kurzen Rennen musst du von Anfang an Gas geben. Da gibt es diesbezüglich kein Taktieren und deine Leistung wird abhängig sein von deinem Trainingszustand und deiner Tagesform. Je länger ein Rennen jedoch ist, desto besser musst du dir deine Kräfte einteilen. Dabei macht eine Wattkurbel Sinn, damit du deine Leistungsgrenze nicht unabsichtlich übersteigst und nachher einbrichst. Deine Strategie sollte lauten: am Ende noch Power haben und die überholen, die das Rennen zu schnell angegangen sind.

Je nach Rennen macht es Sinn, Teile des Rennens in einer Gruppe zu fahren und sich die Arbeit im Wind mit anderen Fahrern zu teilen. In solchen Situationen ist es fair, wenn jedes Mitglied der Gruppe mal vorne fährt. Oft kann man in der Gruppe mehr erreichen – die Durchschnittsgeschwindigkeit erhöht sich, weil jeder Fahrer mal Gelegenheit hat, sich im Windschatten zu erholen. Angriffe werden durch leichte Fahrer dann am besten am Berg gesetzt. Fahrtechnisch starke Fahrer sollten darauf achten, dass sie am Beginn einer Abfahrt niemanden vor sich haben, um im Trail nicht ausgebremst zu werden.

 

Ganz wichtig: nimm dir genügend Zeit für die Verpflegung! Du musst vor allem auf längeren Strecken regelmäßig essen und trinken, damit es nicht zur Dehydratation oder zu einem Hungerast kommt. Wenn dir das schwer fällt, kannst du eventuell einen Timer an deinem Garmin stellen, der dich ans Trinken und Essen erinnert. Nimm dir auch die Zeit, an Verpflegungsstellen anzuhalten, um zu trinken und deine Flasche ggf. aufzufüllen. Ein geplanter Zeitverlust ist besser als ein ungeplanter Zeitverlust durch einen Leistungseinbruch. Diesbezüglich sind auch die zusätzlichen toMotion-Verpflegungsstellen bei den Teamrennen ein unschätzbarer Vorteil, denn dort kannst du (oft ohne anzuhalten) neue Flaschen mit „deinem“ Getränk aufnehmen. Deshalb macht es auch Sinn, wenn jedes Teammitglied einmal pro Saison als Betreuer bei einem Teamrennen dabei ist. Einer für alle, alle für einen.

 

In diesem Sinne wünschen wir dir viel Erfolg für deine Rennen der Saison 2019 – go toMotion!