Sechzehnjährige Lindauerin mit hochgesteckten Zielen

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Skibergsteigerin Sophia Weßling strebt eine Teilnahme an den Olympischen Jugendspielen 2020 an

Seit Juli 2019 betreut toMotion eine junge Athletin, die im Frühjahr 2020 an den Olympischen Jugendspielen in Lausanne in der Schweiz teilnehmen möchte: die Skibergsteigerin Sophia Weßling aus Lindau. Ihre Sportart soll 2020 erstmals olympisch werden und Sophia hat beste Aussichten, für die Jugend-Olympiamannschaft des DAV nominiert zu werden. Was es mit dem „Skibergsteigen“ auf sich hat, wie Sophia zu ihrer Sportart gekommen ist und welche Erfolge sie in ihrer jungen Sportlerkarriere bereits verbuchen konnte, erfährst du in unserem Interview:

Hallo Sophia, bitte stelle dich kurz vor.

Ich heiße Sophia Weßling, bin 16 Jahre alt und wohne in Lindau-Aeschach. Zu meiner Familie gehören meine Mutter Petra und mein Vater Rüdiger, außerdem mein 21-jähriger Bruder Jakob.

 

Was möchtest du uns aus deinem Privatleben verraten?

Bis zur 10. Klasse habe ich im Bodensee-Gymnasiums Lindau den sprachlichen Zweig (Englisch, Französisch und Italienisch) besucht. Mein Schulweg war in dieser Zeit ein Katzensprung: zu Fuß gerade mal fünf Minuten. Doch im kommenden Schuljahr werde ich auf die Droste-Hülshoff-Schule in Friedrichshafen wechseln, da diese Schule einen biotechnologischen Zweig anbietet. Also lässt sich schon erahnen, dass ich später beruflich eventuell in diesem Bereich tätig sein möchte. Mal sehen was daraus wird…. Im Vergleich zu meinem bisherigen Schulweg ist eine Anfahrt von 30 Minuten mit dem Zug bis nach Friedrichshafen schon gigantisch für mich.

Für andere Hobbys bleibt mir nun keine Zeit mehr. Aus diesem Grund lege ich nach sechs Jahren Geigenunterricht eine Pause ein, doch ganz damit aufzuhören kommt für mich nicht in Frage.

Mir ist es besonders wichtig, trotz des vielen Trainings meine Freunde nicht aus den Augen zu verlieren. Auch wenn ich viel Zeit in den Sport investiere, findet sich immer wieder eine Gelegenheit, mich mit ihnen zu treffen.

Welche Sportarten betreibst du und seit wann?

Alpinskifahren im ESV Lindau seit 2008

Leichtathletik im TSV Oberreitnau seit 2014

Skibergsteigen im DAV deutscher Leistungskader seit 2018

Könntest du uns die Sportart Skibergsteigen bitte vorstellen?

Wie sich aus dem Wort „Skibergsteigen“ schon ableiten lässt, wird ein Berg meist abseits der Piste mit Ski erklommen. Um beim Aufstieg ein Hinabrutschen zu verhindern, werden an der Skiunterseite „Felle“ angeklebt. Im Gegensatz zum normalen Skitourengehen werden im Rennbereich Felle verwendet, die nur zwei Drittel der Unterseite bedecken und keine Spannhaken besitzen. Dies ermöglicht ein besseres Gleiten in Flachstücken und ein schnelles Abfellen, bergauf erfordert es aber eine gute Aufstiegstechnik. Auch die Bindung unterscheidet sich wesentlich von den üblichen Skitourenbindungen: sie ist deutlich leichter und hat keine Höhenverstellung. Im Wettkampf spielt natürlich das Gewicht der gesamten Ausrüstung eine ganz große Rolle, das heißt ultraleichte Skier, Schuhe, Stöcke, Anzug und Rucksack.  Die Rennausrüstung hat aufgrund ihres Gewichts kaum mehr etwas mit dem gängigen Alpinskisport zu tun. Zum Vergleich: ein Skitourenschuh wiegt 623 g, ein Alpinskischuh 1863 g, ein Skitourenrennski wiegt 730 g, ein Alpinski 2900 g.

 

Im Rennsport Skibergsteigen gibt es drei verschiedene Disziplinen:

Beim „Vertical“ geht das Rennen nur bergauf. Dabei werden 500 bis 700 hm zurückgelegt. Die Strecke verläuft in manchen Wettkämpfen nur auf der Piste, anspruchsvoller und abwechslungsreicher ist es aber, wenn sie durchs freie Gelände führt.

Beim „Sprint“ ist die Gesamtstrecke wesentlich kürzer. Hier legen pro Durchgang maximal sechs Skibergsteiger nur etwa 100 hm zurück. Das Rennen besteht aus vier Abschnitten: erst geht es kurz bergauf mit Ski, dann folgt eine steile Tragepassage mit Ski auf dem Rücken, dann wieder weiter mit Ski und letztendlich bergab in einem gesteckten Parcours. Die Schnellsten eines Rennens kommen weiter, bis im vierten Durchgang der Sieger ermittelt wird. Diese Disziplin erfordert starke Nerven: die Skier müssen möglichst schnell ab- und angeschnallt sowie am Rucksack befestigt werden, die Felle müssen vor der Abfahrt schnell heruntergerissen werden. Den Skiwechsel bzw. das An- und Abfellen übt man hunderte Male auch im Sommer im Keller oder in der Garage.

 

Die Königsdisziplin ist das „Individual“, wo Mädchen in meiner Altersklasse bis zu 1000 hm zurücklegen. Das Rennen besteht aus einem Wechsel von mehreren Aufstiegen, Abfahrten sowie teilweise extrem steilen Trage- bzw. Kletterpassagen. Das Rennen kann in meiner Altersklasse durchaus mal über 1 Stunde und 30 Minuten dauern.

Wie bist du zu diesem Sport gekommen und was bedeutet er dir?

Dank meiner Eltern habe ich die Sportart schon sehr früh ausgeübt. Durch die Teilnahme an der deutschen Meisterschaft 2018 (am Jennerstier) wurde der DAV auf mich aufmerksam. Richtig intensiv betreibe ich Skibergsteigen daher erst seit einem Jahr, seit ich in die Beobachtungsmannschaft des DAV aufgenommen wurde. Das Schöne am Skibergsteigen ist, dass man die Möglichkeit hat an Orte zu kommen, zu denen kein Lift hinaufführt. Aber nicht nur die Natur und die schöne Winterlandschaft machen diesen Sport so abwechslungsreich, sondern auch die alpinen Aufstiege und einzigartigen Tiefschneeabfahrten.

Wie trainierst du (was und wie viele Stunden pro Woche)?  

Im Winter unternehme ich mit meiner Familie so viele Skitouren wie möglich. Im Sommer geht das natürlich nicht. In dieser Zeit unternehme ich viele Rennradtouren im Hinterland, ich mache viele Bergläufe auf dem Pfänder oder lange Bergtouren im Vorarlberg. Leichtathletik ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil meines Trainings. Vor kurzem haben ich mir noch Skiroller gekauft, die dem Bewegungsablauf des Skibergsteigens sehr nahe kommen und auf denen ich jetzt regelmäßig einmal die Woche trainiere. Seit Juli 2019 trainiere ich nach einem Trainingsplan von toMotion, somit kann ich mich auf ein zielführendes und ausgewogenes Training verlassen. Insgesamt komme ich damit auf (mindestens) 10 Stunden Training pro Woche.

 

 

Wie gut schaffst du es, dein Training mit Schule, Familie und Freunden in Einklang zu bringen?

Mit der Schule war es, seit ich in der Beobachtungsmannschaft des DAV bin, auf jeden Fall nicht einfach. Ich habe aufgrund der vielen Trainingslager des DAVs sehr oft gefehlt, da diese zum Teil schon Mitte der Woche begannen. Nach und nach habe ich jedoch zwischen Schule und Sport eine gute Balance gefunden. Ich muss mir auf jeden Fall die Zeit gut einteilen und schon für den nächsten Tag einen Plan im Kopf haben. Mit meiner Familie verbringe ich dank des Sports ziemlich viel Zeit, da vor allem mein Bruder ein super Trainingspartner für mich geworden ist. Mit Freunden kann ich natürlich nicht so viel Zeit verbringen wie vielleicht andere in meinem Alter, doch alle meine Freunde haben vollstes Verständnis für meinen Sport und hin und wieder ergibt sich ein schönes Treffen mit ihnen, welches ich dann umso mehr genießen kann.

Passt du deine Ernährung an den Sport an und wenn ja, worauf achtest du?

Auf meine Ernährung habe ich bisher noch nicht so sehr geachtet. Ich versuche einige Tipps von Andrea Potratz mit einzubauen. Insgesamt gilt für mich die Regel, von allem ein bisschen und von keinem übermäßig viel zu essen. Da meine Mama auch noch selber abwechslungsreich für uns kocht, fällt mir dies besonders leicht.

Gibt es für dich noch etwas anderes als Schule und Sport?

Wenn es in der Schule besonders stressig ist, kommt es mir manchmal schon ein bisschen so vor als bestünde das Leben nur noch aus Schule und Sport. Allerding ist das für mich keineswegs etwas Schlimmes, da der Sport nie langweilig ist und ich aufgrund meiner vielen Outdoor-Sportarten immer etwas Neues erleben darf.

Was hast du in deiner Sportart schon erreicht? 

 Deutsche Meisterschaften: 3. Platz im Vertical (2018), 1. Platz im Sprint (2019) 
 Alpencup: 1. Platz gesamt (2019) 
 Weltmeisterschaft: 10. Platz im Individual (2019) 

Welche sportlichen Ziele hast du dir für die kommende Saison gesetzt?

Ich habe vielleicht im Januar 2020 die Chance, an den Olympischen Jugend-Winterspielen in Lausanne in der Schweiz teilzunehmen, wo Wettbewerbe im Skibergsteigen erstmalig olympisch ausgetragen werden. Das wäre natürlich ein riesiger Traum für mich. Für dieses Event habe ich mir auf jeden Fall das Ziel gesetzt, gesund zu bleiben und mein Bestes zu geben. Direkt danach darf ich an den Europameisterschaften im Skibergsteigen teilnehmen. Auch hier habe ich mir vorgenommen, fit an den Start zu gehen.