Hochalpines Fahrtechnik-Glanzstück

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Eine Abfahrt vom Rocciamelone (3538 m)

Nach den Abfahrten vom Barrhorn im Jahr 2014 und vom Grande Sassière in 2017 hatte sich Andrea Potratz für ihren Sommerurlaub 2019 einen weiteren Gipfel mit mehr als 3500 Metern Höhe vorgenommen: den Rocciamelone im italienischen Piemont. Begleitet wurde sie bei dieser Tour von Claudia. Die beiden hatten eine Zweitagestour mit Übernachtung im Rifugio Ca d’Asti geplant, wobei der Gipfelaufstieg zum Rocciamelone und die anschließender Talabfahrt bis hinunter nach Susa am zweiten Tag stattfinden sollten. Hier Andreas Bericht über dieses hochalpine Abenteuer:

„Für die Tour auf den Rocciamelone hatten wir zwei Tage inklusive Hüttenübernachtung eingeplant. Es sollte nicht einfach nur eine sportliche Leistung sein, sondern auch Urlaub und Zeit, um die Berge zu genießen und Bilder zu machen. So haben wir uns am 15. August (Nationalfeiertag in Italien) morgens mit einem Taxi zum Rifugio La Riposa auf 2200 m fahren lassen. Von dort aus starten auch viele Wanderer. Wegen des Nationalfeiertags hatte der Taxifahrer nur morgens um 8:00 Uhr Zeit, so dass wir schon kurz nach 9:00 Uhr beim Rifugio waren. An der Hütte haben wir erst mal einen Espresso genommen und dann ging es los mit Schieben und Tragen zum Rifugio Ca d’Asti auf 2854 m, direkt unterhalb des Rocciamelone. Dort wollten wir übernachten und dann am Freitag in der Früh zum Gipfel aufbrechen - weitere 700 hm mit Schieben und Tragen. Im Aufstieg konnte also kein Meter gefahren werden…

 

 

Das Wetter war für beide Tage bestens angesagt und wir sind bei blauem Himmel und warmen Temperaturen am Rifugio La Riposa losgewandert. Ab ca. 10:00 Uhr begann dann jedoch Quellwolkenbildung und an der Südostflanke des Rocciamelone stieg Nebel auf und verhüllte den Berg komplett. Nach eineinhalb Stunden kamen wir beim Rifugio Ca d’Asti an. Der Aufstieg war nicht sehr anstrengend und da es auch noch sehr früh ar, überlegten wir uns, gleich noch zum Gipfel aufzusteigen. Nachdem dieser aber weiterhin im Nebel blieb und die Wanderer, die von oben herunter kamen, auch von null Sicht berichteten, beschlossen wir, einfach die zweite Tageshälfte auf der Hütte zu verbringen und wie geplant am nächsten Morgen früh aufzubrechen, bevor sich wieder Wolken bildeten. Das erwies sich dann auch als die richtige Entscheidung.

 

Das Rifugio Ca d‘Asti hat uns insofern schockiert, als dass es dort nur Plastik- und Einweg-Geschirr, -Besteck, -Becher, etc. gab. Das Frühstück bestand nur aus zwei spartanischen Stück Zwieback, einer Butter und einer Marmelade. Natürlich auch wieder alles in Miniatur-Plastikpackungen. Auch wenn es auf dieser Höhe kein Wasser gibt und alles hinauf transportiert werden muss, gibt es sicher auch andere Lösungen als ausschließlich Plastik und Einweg.

Nur wenige Leute übernachteten auf der Hütte, was uns natürlich recht war, da dann auch wenige Wanderer am nächsten Tag so früh zum Gipfel aufbrechen würden. Die Nacht war in der komplett ungeheizten Hütte bei vier Grad Celsius ziemlich frostig. Am nächsten Morgen war es dann jedoch windstill und wolkenlos, so dass wir kurz vor 7:00 Uhr zum Gipfel aufbrachen. Der Anstieg ließ uns dann auch gleich warm werden.

Claudia ließ ihr Bike beim Rifugio und wanderte zu Fuß hoch, da sie in diesem Abschnitt bergab wohl nicht so viel gefahren wäre. Ich nahm mein Bike aber mit und trug es bis 200 hm unter den Gipfel hoch. Die letzten 200 hm bis zum Gipfel sind gut zu gehen, wären im Downhill aber definitiv nicht zu fahren gewesen. Deswegen ließ ich mein Bike dann dort stehen und wir gingen beide zu Fuß weiter. Es war auf jeden Fall noch ein schöner Aufstieg und ohne das Gewicht des Bikes auch auf einmal so entspannt. ;-) Oben angekommen, hatten wir immer noch bestes Wetter und perfekte Sicht.

 

 

Die ersten 200 hm des Downhills gingen ja dann zu Fuß und anschließend stieg ich aufs Bike. Die 500 tm zum Rifugio Ca d’Asti waren sehr anspruchsvoll, weil das Gelände steil, rutschig und auch verblockt war. Ein paar Spitzkehren gab es auch. Bis auf wenige Stellen war aber der komplette Trail fahrbar. Das hat auch einen kleinen Steinbock interessiert, im 1:1 war er dann aber doch schneller als ich... ;-)

 

 

Am Rifugio angekommen, entstanden schon langsam wieder Wolken, d.h. wir hatten alles bestens getimed. Dort nahm auch Claudia wieder ihr Bike mit, denn es befanden sich ja noch weitere 2300 tm vor bzw. unter uns. Die nächsten 700 hm zum Rifugio La Riposa waren in weiten Teilen auch noch sehr anspruchsvoll, weil verblockt und teilweise auch mit sehr tiefen Rinnen. Ab La Riposa ging es zunächst ein paar Kehren auf Schotterstrasse bergab, bis der Trail wieder abzweigte. Hier war es zwar nicht mehr so hochalpin, aber auch nicht gerade flowig und smooth. Man musste bis hinunter nach Susa immer aufpassen und hart arbeiten. Am frühen Nachmittag waren wir dann wieder glücklich und zufrieden unten im Tal und gönnten uns ein kühles Getränk. Abgesehen von dem vielen Einwegplastik auf der Hütte war es ein tolles Bergerlebnis!“