Lebensführung beeinflusst den Verlauf von Demenzerkrankungen

Anonymous

Hoffnung für Alzheimer-Patienten

Immer mehr Menschen sind von der Diagnose Alzheimer betroffen. Eine Demenzerkrankung hat für den Betroffenen gravierende Auswirkungen: der Verlust einer eigenständigen Lebensführung und die zunehmende Abhängigkeit von Betreuungspersonen bedeuten eine starke Einschränkung der Lebensqualität. Ist die Diagnose „Alzheimer“ einmal gestellt und bestätigt, stellt sich natürlich die Frage nach den Behandlungsmöglichkeiten. Häufig wird dem Patienten nur eine symptomatische Therapie angeboten. Es gibt jedoch noch einen weiteren, vielversprechenden Ansatz: das systembiologische Therapiekonzept.

Ein Nachlassen der geistigen Kräfte (Demenz) kann verschiedene Ursachen haben. Viele davon sind behandelbar, so z.B. ein Vitamin D12-Mangel, eine Schilddrüsen-Unterfunktion, ein subdurales Hämatom usw. Bei solchen Patienten kann das Fortschreiten der Demenzerkrankung oft verhindert werden. Zwei Drittel der Demenzerkrankten erhalten jedoch die Diagnose „Alzheimer“. Mit deutlich über einer Million Patienten in Deutschland hat diese Krankheit mittlerweile den Status einer Volkskrankheit. Mehr als hundert Jahre nachdem Alois Alzheimer die zerstörerische Hirnerkrankung entdeckte gibt es immer noch kein heilendes Medikament. Bis heute stehen nur symptomatisch wirkende Medikamente zur Verfügung, die den Krankheitsverlauf etwas abmildern.

Die Alzheimer-Demenz nimmt im Hippocampus, einer Region, in der Nervenzellen neu gebildet werden, ihren Anfang. Dort führt der zunehmende Abbau von Nervenzellen durch die Erkrankung zu einem Schrumpfungsprozess, der schon in einem frühen Stadium durch eine MRT sichtbar gemacht werden kann. Eiweißablagerungen im Gehirn (sogenanntes Beta-Amyloid) wurde von Alois Alzheimer 1906 als Auslöser der Krankheit beschrieben. Heute weiß man, dass die Akkumulation des Beta-Amyloids nicht Auslöser, sondern Begleiterscheinung und Beschleuniger der Erkrankung ist. Wissenschaftlicher schreiben dem Beta-Amyloid in normalen Konzentrationen inzwischen eine schützende Funktion für Synapsen und Nervenzellen zu. Nur in zu hohen Konzentrationen wirkt es schädigend. Tagsüber wird das Beta-Amyloid bei geistiger Tätigkeit produziert, während es im Schlaf zur Leber transportiert und dort abgebaut wird. Ständige geistige Anforderungen und vermehrter Stress heizen die Produktion der Eiweißablagerungen an, während der weit verbreitete Schlafmangel den nächtlichen Abbau von Beta-Amyloid verhindert. So lagert es sich im Gehirn an und schädigt dieses.

Es sind viele Faktoren der modernen Lebensweise, welche die Alzheimer-Erkrankung auf den Weg bringen. Besonders negativ wirken sich zum Beispiel chronischer Stress, Bewegungsmangel, andauerndes Schlafdefizit, ein Mangel an sozialen Aktivitäten und eine übermäßige Aufnahme von schnell resorbierbarer Glukose aus.

 

  

So kam der Molekulargenetiker Dr. Michael Nehls zu der klaren Aussage, dass die Alzheimer-Krankheit eine kulturell bedingte Zivilisationskrankheit ist, deren Auslösung in der modernen Lebensweise zu sehen ist. Diese zerstört über Jahrzehnte zunehmend den Hippocampus und vermindert damit die Neubildung von Nervenzellen. Aus dieser ganzheitlichen („systembiologischen“) Sichtweise heraus entwickelte er die Alzheimer-Therapie nach Nehls, die in Arztpraxen zunehmend umgesetzt wird.

Auch Professor Dale Bredesen von der Universität Los Angeles entschloss sich bereits vor Jahren zu einem systembiologischen Therapieansatz. Er sollte die bekannten Risikofaktoren beseitigen und den Hippocampus bei der Neubildung von Nervenzellen unterstützen. Zu diesem Therapiekonzept gehörten zum Beispiel viel Bewegung, gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und Erholung, Stressreduzierung, geistige Anregung, soziale Integration sowie die Verabreichung von Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Omega3-Fettsäuren. Das Therapiekonzept von Bredesen funktioniert nur, solange die Erkrankung auf den Hippocampus beschränkt ist, da nur in diesem Gehirnbereich Nervenzellen neu gebildet werden können.

  

  

Mittlerweile berichtet Bredesen von über zweihundert geheilten Alzheimer-Patienten. Bei einer Erkrankung, die bisher offiziell noch als unheilbar gilt, ist dies ein absolut erstaunliches Ergebnis. Das Behandlungskonzept nach Bredesen zeigt, dass eine ganzheitliche Therapie der Alzheimer-Krankheit, die früh genug und konsequent genug durchgeführt wird, durchaus erfolgreich sein kann. Dabei ist jedoch die Bereitschaft des Alzheimer-Patienten und seiner Angehörigen, nach der Diagnose Alzheimer das gesamte Leben konsequent umzustellen, Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie. Die Erfolge stellen sich nicht sofort ein, da zunächst neue Nervenzellen gebildet, verschaltet und erhalten werden müssen. Es dauert daher mehrere Monate, bis der Patient zum ersten Mal eine Verbesserung seiner kognitiven Leistungsfähigkeit spürt.

Mit diesem Beitrag möchten wir deutlich machen, dass die individuelle Lebensführung starke gesundheitliche Auswirkungen hat – nicht nur im körperlichen, sondern auch im geistigen Bereich. Eine gesunde Lebensweise, wie sie von toMotion propagiert und angeleitet wird, ist als aktive Prävention gegen Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas (Fettleibigkeit), Krebserkrankungen und eben auch Alzheimer-Erkrankungen zu sehen.

Grundlage unseres Artikels über den Zusammenhang zwischen der Lebensweise und dem Verlauf von Demenzerkrankungen ist der Artikel „Demenz vom Typ Alzheimer – Systembiologische Prävention und Therapie“ von Dr. Bernhard Dickreiter (Facharzt für Innere Medizin sowie für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Naturheilkunde, Klinische Geriatrie und Sozialmedizin), der in der Zeitschrift „Die Naturheilkunde“ in der Ausgabe 4-2019 erschienen ist. Dort werden auch die Literaturquellen für die Aussagen von Dres. Nehls und Bredesen aufgeführt.

Link zum Artikel von Dr. Bernhard Dickreiter