Gorillaaa! - Auf die Haltung kommt es an

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Die richtige Fahrtechnik in schwierigem Gelände

Wer erstmalig einen toMotion-Fahrtechnikkurs bei Andrea Potratz besucht, hat oft ein Aha-Erlebnis. Denn innerhalb von kurzer Zeit lernst du dort grundlegende Techniken, die dich auf deinem Bike sicherer machen und dir über knifflige Stellen im Gelände hinweghelfen. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die auf dem Trail dann aber einen Riesen-Unterschied machen. Drei Bereiche wollen wir dir im folgenden kurz vorstellen. Denn solange in Corona-Zeiten keine Mountainbike-Rennen stattfinden, kannst du die Zeit nutzen, um an deiner Fahrtechnik zu feilen.

Der Körperschwerpunkt

Beim  Mountainbiken fährt man einen Großteil der Zeit im Stehen – immer dann, wenn es bergab geht oder wenn das Gelände technisch wird. Dabei gibt es eine „Grundposition“ und eine „Aktivposition“. Die Grundposition ist entspannt und kraftsparend, wobei du nicht auf dem Sattel sitzt, sondern auf deinen Pedalen stehst. Die Kurbel steht waagerecht (die Pedale sind also auf gleicher Höhe), deine Beine sind gestreckt, die Fersen leicht abgesenkt, die Arme nur ganz leicht nach außen gebeugt. Jeweils ein Finger liegt an den Bremsen, dein Blick ist nach vorne gerichtet.

                                                                                                                                                                    Ganz entspannt - die Grundposition

Sobald du bremsen musst, eine Kurve fährst oder Hindernisse (Stufen, Wurzeln oder ähnliches) zu bewältigen hast, nimmst du die Aktivposition ein. Dabei lässt du deinen Körperschwerpunkt zentral über der Kurbel, senkst ihn aber so weit wie möglich ab. Das erreichst du, indem du die Arme stark nach außen abwinkelst („Gorilla-Position“) und gleichzeitig in die Knie gehst, wobei deine Schienbeine senkrecht bleiben und du die Oberschenkel nach hinten abwinkelst. Dadurch senkt sich dein Oberkörper ab und dein Schwerpunkt geht weiter nach unten, bleibt aber trotzdem weiterhin zentral über dem Bike. Dabei kann dein Po etwas hinter den Sattel wandern. Das ist aber in Ordnung so und kein Problem, da dein Rumpf und damit dein Schwerpunkt weiterhin zentral über dem Bike bleibt. Durch diese Haltung schaffst du es auch, mehr Druck aufs Vorderrad zu bringen, was z.B. in den Kurven oder auch beim Bremsen sehr wichtig ist, damit das Vorderrad gut Grip hat. Deine Fahrposition wird so stabiler und gleichzeitig nutzt du Arme und Beine als Verlängerung der Federelemente, um Stöße noch besser abzufedern.

Natürlich erfordert diese Haltung viel Kraft. Daher ist es wichtig, dass du in die Grundposition zurückgehst, sobald es die Strecke zulässt. So kannst du deine Arme und Beine entlasten und dich erholen, bis du die nächste knifflige Stelle erreichst.

 

 

Die Kurventechnik

Vom Motorradfahren kennen wir es so, dass sich das Motorrad samt Fahrer in die Kurve legt. Anders ist das beim Mountainbiken. Dort legst du idealerweise nur das Bike in Kurve, nicht aber dich selbst. Das sieht anfangs zwar etwas gewöhnungsbedürftig aus (und fühlt sich auch so an), ist aber zielführend, denn mit dieser Haltung kommst du sicherer und schneller durch die Kurve.

Ausgangsposition für das Kurvenfahren ist die Aktivposition. Geht es in die Kurve, streckst du deinen kurveninneren Arm und beugst den kurvenäußeren Arm, um dein Rad in die Kurve zu drücken. Dein Körperschwerpunkt bleibt dabei senkrecht über dem kurvenäußeren Pedal. Das hat zwei Vorteile: Zum einen erzeugst du mehr Druck auf die Reifenstollen und gewinnst dadurch mehr Traktion, zum anderen kommt automatisch das Innenpedal hoch, wodurch sich die Sturzgefahr verringert. Dadurch, dass du in der Aktivposition (angewinkelte Arme und zentraler Körperschwerpunkt) bist, kannst du gut Druck auf das  Vorderrad ausüben, so dass es genügend Traktion hat und nicht so leicht wegrutscht. Wenn dein Hinterrad in der Kurve mal etwas „schmiert“, ist das weniger ein Problem, als wenn du die Kontrolle über das Vorderrad verlierst. Also: Bike in die Kurve legen, selbst aber relativ senkrecht und am Kurvenäußeren bleiben, mit Druck auf dem Lenker und auf dem Außenpedal. Dadurch dass du dein Bike bewegst (welches leichter ist als du), dich selbst aber kaum bewegst, bewegt sich insgesamt wenig Masse. Wenig Masse in Bewegung bedeutet wenig Kräfte, die wirken und dich vom Weg abbringen können.

 

Bremsen – ein Finger reicht!

Moderne Mountainbike-Bremsen haben eine enorme Bremskraft. Vor allem die von uns bevorzugten Trickstuff-Bremsen sind wahre Wurfanker. Du brauchst also nicht viel Kraft, um dein Bike effektiv abzubremsen – auch bei hohen Geschwindigkeiten und steilem Gefälle. Daher ist es sinnvoll, jeweils nur einen Finger an der Bremse zu haben. Dadurch umfassen neben dem Daumen weitere drei Finger den Lenker, wodurch du mehr Kontrolle über dein Bike hast. Ein weiteres Argument für das Bremsen mit einem Finger ist der Verlauf der Nervenbahnen in der Hand. toMotion-Cheftrainerin Andrea Potratz, die approbierte Ärztin ist, erklärt das so: „Daumen und Zeigefinger werden gemeinsam durch einen Nerv versorgt, die restlichen drei Finger durch einen anderen. Bremst du mit zwei Fingern (liegt also dein Mittelfinger mit an der Bremse), muss ein einziger Nerv gleichzeitig dem Mittelfinger sagen „bremse“ und den anderen zwei Fingern „haltet euch fest“. Da ein Nerv aber nicht zwei verschiedene Befehle zur gleichen Zeit senden kann, kannst du dich dann weniger gut am Lenker festhalten und deine Hand verkrampft. Auch deshalb ist es sinnvoll, nur mit dem Zeigefinger zu bremsen.“

 

Insgesamt sitzt du entspannter auf dem Rad, wenn du nur einen Finger an der Bremse hast. Du kannst dich besser festhalten, gewinnst dadurch an Sicherheit, bist entspannter und hast mehr Spaß. Wer bisher mit zwei Fingern gebremst hat, wird für die Umstellung vermutlich ein bisschen Zeit und Übung brauchen. Aus den oben genannten Gründen lohnt sich das aber.

Die richtige Haltung auf dem Bike ist bei der Fahrtechnik also entscheidend. Um den Teilnehmern und Teilnehmerinnen ihrer Fahrtechnikkurse anschaulich vermitteln zu können, woran sie konkret noch feilen können, arbeitet Andrea Potratz bei ihren toMotion-Fahrtechnikkursen oft mit Videounterstützung. Dabei filmt sie die Teilnehmer bei den Übungen, bespricht die Aufzeichnungen mit ihnen und kann ihnen so anschaulich darstellen, wie sie ihre Haltung oder ihre Bewegungen auf dem Bike noch optimieren können.

Wenn du dich bisher noch nicht so intensiv mit dem Thema Fahrtechnik auseinandergesetzt hast, gibt es also genügend Bereiche, an denen du arbeiten kannst. Probiere unsere Anregungen doch einfach mal aus. Wenn du unsicher bist und dir Unterstützung wünschst, kannst du dich bezüglich eines Fahrtechniktrainings auch an Andrea Potratz wenden. Ein Personal Training (also eine Fahrtechnikstunde zu zweit oder im kleinen Kreis) ist auch in Corona-Zeiten möglich.

Andrea Potratz, Tel. 0160 948 461 29, E-Mail: a.potratz@tomotion-gmbh.de