Fahrräder made in Germany… oder etwa nicht?

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Wo Fahrräder wirklich hergestellt werden

                                                                                                           Foto aus dem ZEIT-Artikel „Kambodscha – Unterm Rad“ vom 4.12.2019

Durch einen Hinweis unseres Partners Müsing Bikes sind wir auf ein Thema gestoßen, von dem wir denken, dass sich ein zweiter Blick darauf lohnt. Wo werden die Bikes, die wir so gerne fahren, eigentlich hergestellt? Genau hingeschaut hat erst kürzlich der Fernsehsender RTL, der dem Thema einen interessanten Bericht gewidmet hat. Dafür reiste der Reporter nach Kambodscha, wo er Fahrradfabriken besuchte, mit Arbeitern sprach und die Radmarken identifizierte, die dort hergestellt werden. Das Ergebnis: viele dieser Fahrräder werden auch auf dem deutschen Markt verkauft.

Die Recherchen des RTL-Reporters in Kambodscha haben deutlich gemacht, dass viele namhafte Fahrradhersteller ihre Produkte in Ländern der Dritten Welt montieren lassen. Das ist an sich nicht verwerflich, wenn es unter fairen, menschenwürdigen Arbeitsbedingungen geschieht. Dass dem nicht immer so ist, hat sich in der RTL-Recherche gezeigt. Dort berichten Arbeiter unter anderem von niedrigen Löhnen, inakzeptablen klimatischen Bedingungen in den Werkshallen und von Urlaub, der zwar vertraglich vereinbart ist, aber nicht gewährt wird.

Besonders kritisiert wird von RTL auch, dass der Herstellungsprozess der Fahrräder für den Käufer zumeist nicht nachvollziehbar ist. So wirbt ein deutscher Hersteller mit dem Slogan „Designed and engineered in Bavaria“ – der Blick hinter die Kulissen zeigt jedoch, dass auch diese Bikes in Kambodscha zusammengeschraubt werden.

Müsing Bikes hebt sich davon wohltuend ab.  Nur der erste Arbeitsschritt (die Roh-Fertigung der Rahmen) wird in Asien durchgeführt, die weitere Verarbeitung geschieht dann in Deutschland. Max Koch von Müsing beschreibt das so: „Wir lassen die Roh-Rahmen nach unseren Vorgaben in China und Taiwan fertigen, aber nur bei Herstellern, wo wir persönlich mindestens einmal pro Jahr vor Ort sind. Die Lackierung und Montage geschieht dann hier bei uns im Haus. Die Lacke, die z.B. zum Lackieren in Asien verwendet werden, sind bei uns schon lange verboten. Unsere Montageplätze sind alle Einzelarbeitsplätze und der komplette Versandbereich hat eine Industriefußbodenheizung. Wir bezahlen vernünftige Löhne, haben über 30 Arbeitsplätze für Leute aus der Region und bilden auch jedes Jahr aus“. Trotzdem hat Müsing ein exzellentes Preis-Leistungsverhältnis. Denn obwohl viele namhafte Fahrrad-Hersteller ihre Produkte in Asien herstellen lassen, schlägt sich dies für den Käufer häufig nicht im Preis nieder. Das Wissen über die Arbeitsverhältnisse in Südostasien gibt dem Käufer die Option, eine gut informierte, bewusste Kaufentscheidung zu treffen. Für die billige Lösung „Made in Fernost“ oder für eine Qualität und Arbeitsbedingungen nach deutschen Standards.

Die ZEIT hat diesem Thema ebenfalls einen Artikel gewidmet, erschienen am 4. Dezember Ende 2019. Auch darin berichten Arbeiter: „Das ist Arbeit bis zur totalen Erschöpfung“ und „Es ist fast unmöglich, bezahlten Urlaub zu bekommen“.

Wenn du dich für dieses Thema interessierst und beim Fahrradkauf eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen möchtest, dann schau doch mal rein und informiere dich.

RTL-Film „Fahrräder – von wegen made in Germany“ (Link: https://www.rtl.de/videos/fahrraeder-von-wegen-made-in-germany-5eaee78f900fef5a72064214.html)

ZEIT-Bericht „Kambodscha – Unterm Rad“ (Link: https://www.zeit.de/2019/51/kambodscha-export-fahrraeder-fabrik-arbeitsbedingungen)