Ausgebrannt

Anonymous

Das Burnout-Syndrom - so aktuell wie nie

Während in der Corona-Krise die einen unter Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit leiden und sich zuhause langweilen, arbeiten die anderen bis an den Rand der Erschöpfung. Vor allem Menschen in „systemrelevanten“ Berufen sowie Eltern stellt die aktuelle Situation vor enorme Belastungen und nicht selten führt das zu einem sogenannten Burnout. Was aber verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Ein Beispiel, wie wir es zu Beginn der Corona-Pandemie in unserem Bekanntenkreis erlebt haben. Die Schulen werden geschlossen, das Kontaktverbot tritt in Kraft und die Menschen machen Hamsterkäufe, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Die Filialleiterin eines großen Discounters erzählt: „Wir arbeiten jetzt in Schichten, um die Regale überhaupt noch aufgefüllt zu bekommen. Gleichzeitig bekommt mein Sohn von der Schule so viele Aufgaben, dass er locker einen halben Tag daran arbeitet. Ohne Unterstützung läuft da aber nichts. Ich weiß nicht, wie ich das alles schaffen soll – ich komme kaum noch zum Schlafen.“ So wie ihr geht es vielen. Nicht nur Ärzte und Pflegekräfte stehen vor großen Herausforderungen, sondern auch Eltern, die von heute auf morgen im Homeoffice arbeiten und dabei gleichzeitig Kinder zu betreuen haben, deren Kitas und Schulen geschlossen sind. Dauern solche Mehr(fach)belastungen über einen längeren Zeitraum an, kann das in einen Burnout führen.

 

Was ist ein Burnout und wer ist davon betroffen?

Laut Wikipedia ist ein Burnout (auch Burnout-Syndrom, von englisch „to burn out – ausbrennen“) ein Oberbegriff für bestimmte Arten von persönlichen Krisen, die als Reaktion auf andauernden Stress und Überlastung am Arbeitsplatz auftreten. Burnout geht mit emotionaler Erschöpfung, einem Gefühl von Überforderung sowie reduzierter Leistungszufriedenheit einher. Burnout-Syndrome können mit eher unauffälligen Frühsymptomen beginnen und bis hin zu völliger Arbeitsunfähigkeit oder Suizid führen.

Vom Burnout-Syndrom besonders gefährdet sind Beschäftigte in sozialen Berufen wie zum Beispiel Ärzte, Altenpfleger, Krankenschwestern, Lehrer, Priester, Psychologen oder Sozialarbeiter. Doch sind auch andere Berufsgruppen und sogar Schüler betroffen.

Der Begriff Burnout-Syndrom ist zwar allgemein bekannt, es handelt sich aber nicht um eine Diagnose, die in medizinischen Klassifikationssystemen aufgeführt ist. „Burnout“ ist damit offiziell keine Krankheit.

Was sind die Symptome eines Burnouts?

Beim Burnout-Syndrom gibt es sowohl psychische als auch körperliche Symptome. Typische Symptome eines Burnouts sind beispielsweise

Emotionale Erschöpfung: Diese Erschöpfung resultiert aus einer übermäßigen emotionalen oder physischen Anstrengung (Anspannung). Die Betroffenen fühlen sich schwach, kraftlos und müde. Sie leiden unter Antriebsschwäche und sind leicht reizbar.

Depersonalisierung: Mit dieser Reaktion auf die Überlastung stellen die Betroffenen eine Distanz zwischen sich selbst und ihren Klienten (Patienten, Schülern, Pflegebedürftigen oder Kunden) her. Das äußert sich in einer zunehmenden Gleichgültigkeit und teilweise zynischen Einstellung ihnen gegenüber. Die Arbeit wird zur unpersönlichen Routine.

Erleben von Misserfolg: Die Betroffenen haben häufig das Gefühl, dass sie trotz Überlastung nicht viel erreichen oder bewirken. Es mangelt an Erfolgserlebnissen. Weil die Anforderungen quantitativ und qualitativ steigen und sich ständig verändern, erscheint die eigene Leistung im Vergleich zu den wachsenden Anforderungen gering. Diese Diskrepanz zwischen Anforderungen und Leistungen nimmt der Betroffene als persönliche Ineffektivität bzw. Ineffizienz wahr.

Die seelischen Probleme können auch körperliche (psychosomatische) Beschwerden auslösen. Das körperliche Abwehrsystem kann schwächer und anfälliger für Infekte werden. Schlafstörungen, Albträume und sexuelle Probleme können entstehen. Auch Herzklopfen, Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen, Rückenschmerzen, Schwindel, Atemprobleme oder Gewichtsveränderungen sind möglich. Außerdem erhöhen sich das Unfallrisiko und die Gefahr für Suchterkrankungen. Betroffene greifen in dieser Situation schneller zu Alkohol, Tabak oder anderen Drogen.

Wodurch wird ein Burnout ausgelöst?

Es gibt keine einheitliche Meinung darüber, wie das Burnout-Syndrom entsteht. Vermutlich sind sowohl äußere als auch innere Faktoren an der Entstehung dieser Erkrankung beteiligt. Oft begünstigt eine Kombination von persönlichen Eigenschaften und Arbeitsbedingungen die Entstehung eines Burnouts. Besonders gefährlich ist es, wenn die Betroffenen sehr motiviert sind, hohen persönlichen Einsatz zeigen und hohe Erwartungen an ihre Arbeitswelt stellen, dann aber mit dem "grauen" Arbeitsalltag konfrontiert werden. Sind sie gleichzeitig im Umgang mit ihren Klienten, beispielsweise Patienten oder Schülern, nicht ausreichend belastbar und fehlt die Anerkennung durch Vorgesetzte, steigt die Wahrscheinlichkeit für das innerliche Ausbrennen.

Nach Richard Lazarus wird Burnout durch Stress ausgelöst, der aus Sicht der betroffenen Person nicht bewältigt werden kann. Es handelt sich um ein subjektiv wahrgenommenes Auseinanderklaffen von externen (zumeist beruflichen) Anforderungen bzw. Belastungen einerseits und individuellen Fähigkeiten zur Bewältigung der Beanspruchungen andererseits. Diese Diskrepanz ist oft mit einem Gefühl der Ohnmacht verbunden. Auch ein Ungleichgewicht zwischen Leistung und Anerkennung begünstigt das Entstehen eines Burnout-Syndroms. Danach sind vor allem diejenigen Personen durch Arbeitsstress gesundheitlich gefährdet, an die permanent hohe Anforderungen gestellt werden, während zugleich die Kontrolle und der Entscheidungsspielraum bei der Ausführung der Aufgaben eingeschränkt sind. Typische Beispiele sind Industriearbeiter am Fließband, Verkäufer im Supermarkt oder Beschäftigte in Call-Centern. An leitende Manager oder Ärzte im Krankenhaus werden ebenfalls hohe Arbeitsanforderungen gestellt, sie besitzen jedoch in der Regel größere Kontroll- und Entscheidungsspielräume.

Wie kann man einem Burnout vorbeugen?

Um einem Burnout-Syndrom vorzubeugen, sollte jeder für sich persönlich klären, wodurch die empfundene Belastung entsteht. Frühzeitig sollte man sich fragen, welche Bedürfnisse und Ziele man vernachlässigt oder welche eventuell unerfüllbaren Erwartungen und Vorstellungen die Belastung erhöhen. Wichtig ist es dann, rechtzeitig den eigenen Einsatz so einzuteilen, dass die persönlichen Kräfte auch langfristig erhalten bleiben. Hobbys, Familie und Freunde sollten nicht vernachlässigt werden.

Gegebenenfalls ist es notwendig, die eigene Selbsteinschätzung zu verändern und überhöhte Ansprüche an sich und an die Arbeitserfolge abzubauen. Eine gesunde Lebensführung mit Sport, gesunder Ernährung und vor allem auch ausreichendem und regelmäßigem Schlaf stärken den Organismus. Nützlich können auch Methoden zur Verbesserung der Zeiteinteilung sein, die Klärung beruflicher und privater Ziele und das Erlernen von Entspannungstechniken. 

Wie kann man einen Burnout behandeln?

Wichtig ist, dass der Betroffene Einsicht zeigt und sich eingesteht: Ich bin überlastet, "ausgebrannt". Meist fällt das den Betroffenen sehr schwer. Einen Burnout darf man jedoch nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die Symptome können so schwerwiegend werden, dass sie das gesamte Leben aus der Bahn werfen. Je weiter fortgeschritten ein Burnout-Syndrom ist, desto geringer sind die Aussichten, ohne professionelle Unterstützung wieder herauszufinden. Daher ist ein Arztbesuch meist unumgänglich, um die Diagnose Burnout-Syndrom zu stellen und die notwendigen Maßnahmen anzustoßen. In schweren Fällen kann sogar ein Klinikaufenthalt notwendig sein, um die innere Balance wieder herzustellen. Vor allem dann, wenn der Burnout von Depressionen begleitet wird, ist die Konsultation eines Arztes lebenswichtig.

Was unterscheidet das Burnout-Syndrom von einer Depression?

Bestimmte Symptome eines Burnouts sind denen einer Depression ähnlich. Dazu gehören verringerte Leistungsfähigkeit, Niedergeschlagenheit und starke Erschöpfung. Ein Unterschied besteht darin, dass es einem Burnout-Betroffenen besser geht, wenn die verursachende Belastung - etwa hoher Leistungsdruck bei der Arbeit, ob vom Arbeitgeber verlangt oder aufgrund der eigenen hohen Ansprüche erzeugt - wegfällt. Während das Burnout-Syndrom oft an eine bestimmte Situation des Lebens, insbesondere die Arbeitssituation gebunden ist, betrifft eine Depression häufig alle Lebensbereiche, sodass in diesem Sinn keine Entlastungsmöglichkeit besteht. Häufig bleiben die wahren Ursachen einer Depression unbekannt.

Typische Symptome für eine Depression sind Hoffnungslosigkeit und Selbsttötungsgedanken, die nicht als typische Burnout-Beschwerden betrachtet werden. Daher verbirgt sich nicht hinter jedem Burnout eine Depressions-Erkrankung. Allerdings können Burnout-Symptome das Risiko steigern, dass jemand eine Depression bekommt.

Gerade weil sich die Beschwerden von Burnout und Depression ähnlich sind, sollte keine voreilige (Eigen)Diagnose erfolgen, denn diese könnte falsche Maßnahmen zur Folge haben. Es wäre beispielsweise ein Fehler, einem an einer Depression erkrankten Menschen eine berufliche Auszeit oder einen längeren Urlaub zu empfehlen. Für jemanden, der nur aufgrund seiner Berufstätigkeit erschöpft ist, kann dies eine Möglichkeit zur Erholung sein. Ein Mensch mit Depressionen benötigt andere Hilfen, zum Beispiel eine Psychotherapie oder eine Behandlung mit Medikamenten. Daher ist es unbedingt empfehlenswert, eine qualifizierte ärztliche Diagnose stellen zu lassen.

Auch wenn der Begriff „Burnout-Syndrom“ streng genommen nur für berufliche Überlastungen verwendet wird, zeigen sich gerade in der Corona-Zeit auch außerhalb des Berufs bei vielen Menschen – speziell Eltern - Symptome, die auf einen Burnout hinweisen. Die Mehrfachbelastung von permanenter Kinderbetreuung, Homeschooling und Home-Office hinterlässt ihre Spuren. Wer in dieser Situation an seine körperlichen und seelischen Grenzen stößt, sollte sich unbedingt ärztliche Unterstützung holen. Außerdem möchten wir an dieser Stelle auf das „Corona Steuerhilfegesetz“ hinweisen, das in seiner Erstfassung vom 27. März und Neufassung vom 27. Mai 2020 auch die Leistungen für Sorgeberechtigte (also Eltern und Pflegeeltern) regelt, die während der behördlich angeordneten Kita- oder Schulschließungen ihre Kinder betreuen müssen und deshalb einen Verdienstausfall haben. Hier findest du Informationen dazu:

Link zum Artikel des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), veröffentlicht am 3.6.2020: https://www.dgb.de/themen/++co++18c1da2a-69d0-11ea-ad58-52540088cada